2013
 


In das Jahr 2013 sah ich voller Vorfreude, wenngleich es mit dem deutschen Regelwerk einen Dämpfer gab: die weiblichen Cruiserklassen waren ohne weitere Begründung auf nationaler Ebene abgeschafft worden. Bei den regionalen Rennen des Südens jedoch waren die Seniorinnen Cruiser weiterhin Bestandteil der Rennen - immerhin.
Nunja, das hieß fleißig trainieren, um bei den gleichaltrigen Männern nicht komplett abzustinken.
Vielleicht würde sich dies noch als sinnvoll erweisen, auch wenn es mir zu diesem Zeitpunkt nicht so schien.
Wie immer im Leben, sobald sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere, und dies war die EM. Hier wurden für 2013 drei weibliche Cruiserklassen analog zu den WM-Klassen eingeführt. Das war doch ein lohnenswertes Ziel.
Die Saison-Vorbereitungen liefen wie immer auf Hochtouren und ganz gut, mal abgesehen vom Bänderriss im Knöchel im Februar, der mich zum Glück nur wenige Zeit etwas einschränkte. Bald ging es irgenwie einfach weiter im Text, war ja nichts Lebensbedrohliches. 

Nachdem wir in Ingersheim wieder 2 Wochenenden Trainingslager durchführten und ich abermals als Trainerin fungierte, ging es mit der Saison los.

Zunächst standen ein paar Rennen auf nationaler Ebene an. Den Bayern-Pokal in Kolbermoor konnte ich gleich unerwartet gegen die Senioren III gewinnen, beim zweiten war ich bei der eigenen Konkurrenz vorn, ich fühlte mich von Woche zu Woche besser, und auch der Fuß machte tauglich mit.

Bei den Bundesliga-Veranstaltungen startete ich teilweise in beiden männlichen Klassen - ein hervorragendes Ausdauertraining - und ich erreichte mehr Finalteilnahmen, als ich mir jemals ausmalen konnte, meine Ranglistenziele erwiesen sich als einigermaßen realistisch.
Endlich kam auch das neue 20-Zoll Bike vom neunen Sponsor Supercross BMX, die Firma, deren Rahmen & Teile ich schon einmal fuhr, in den Jahren 1994 und 1995. So war dies so etwas wie "Back to the roots". Nach nur wenigen Trainingsrunden stand auch schon ein internationaler Test im Rahmen der EM-Runden in Weiterstadt an. Ich erreichte an beiden Tagen das Finale der Women 17+, stellte aber fest, dass es noch etwas Fein-Tuning brauchte, welches ich umgehend tätigte, so dass es bei den folgenden Liga-Einsätzen noch besser klappte.

Anfang Juli stand dann die DM auf der vereinseigenen Strecke an, die noch vorher umgebaut wurde und nun hinten raus recht herausfordernd war. Da es im Zeitplan einige Neuerungen gab, standen auch an diesem Renntag sowohl der Cruiser als auch 20-Zoll auf dem Programm - aber zum Glück in getrennten Blöcken, so dass ich mich jeweils mit nur einem Bike anfreunden musste.
Ich kam inzwischen gut zurecht, auch meine Starts klappten gewohnt gut. Im Cruiser langte es mit der Halbfinalteilnahme (5.Platz) zumindest zu einer Top 10 Platzierung (9.), und im 20er ging es noch besser.
Nach der 4. Cruiserrunde dachte ich noch, es geht nichts mehr, so sehr merkte ich zwischenzeitlich meine Beine, aber die kurze Pause tat gut und reichte, um wieder ausreichend Kräfte zu sammeln. Irgendwie kam ich technisch besser über die Strecke, als ein paar kräftige Kollegen, und so erlangte ich dank ein paar postiver Einflüsse das Finale in der 40+ und wiederholte sogar meinen 5. Platz vom Vorjahr.

Das Abschlußtraining 2 Tage drauf war mit viel Selbstbewußtsein auch mehr als zufriedenstellend, und so fuhr ich frohen Mutes nach Belgien zur EM. Hier konnte ich nach eindeutigen Vorläufen und auch Finale den ersten zu vergebenden Titel in der Klasse Women Cruiser 30+ einfahren, während ich im 20er mein Minimalziel Halbfinale in der Women 17+ auch erreichte.



Zu Hause angekommen wurde schnell die Wäsche gewaschen, denn der Flug nach Neuseeland zur WM wartete förmlich schon auf uns. Die Zeitanpassung dauerte ein paar Tage, doch der lange Flug hatte sich gelohnt, es ist ein wunderschönes, sehenswertes Land.
Die ersten Tage dienten dann auch der Akklimatisierung im 15° warmen Winter, eine großzügig angelegte BMX-Strecke wurde auch schnell gefunden, so dass ich mein Bike-Feeling schön konservieren konnte.
Endlich durfte auch die WM-Strecke besichtigt werden, und sie schien sehr klein, erwies auch als noch kleiner als die in Birmingham. Die Hindernisabfolge schien ok und spaßig, so freute ich mich auf meine ersten Runden. Die größte aller Tücken war dann die erste Kurve mit dem vorgeschalteten Hindernis, denn es war alles sehr kurz und eng, bereits im Training lagen sehr viele Fahrer auf dem Boden. So wurde auch der Asphalt noch etwas nachgearbeitet und der Level in der Kurve angehoben - mit mäßigem Erfolg muss ich im Nachhinein sagen. Am 2. Trainingstag lief alles ganz gut, so dass ich mich auf die Rennen freute.
Das neue Block-System versprach mehr Kompaktheit; zunächst war ich mit dem 20er im Race.
Dass ich wirklich das Finale erreichen würde, war mehr ein Traum als ein Ziel, umso schöner, dass es dann so eindeutig klappte. Die Konkurrenz guckte wieder etwas komisch, es stand ja das Alter der Fahrer/innen auf den Listen. Der Finalsturz war natürlich unerwünscht, kann aber immer mal passieren, ich war dennoch zufrieden.
 
Der nächste Tag galt dem Cruiser, und auch hier wollte ich das Finale erreichen, wenn möglich nicht verschlechtern im Vergleich zum Vorjahr. Nach dem turbulenten Warm-up und Lenker-Umbau ging ich frohen Mutes in die Rennen, jetzt konnte es nur noch besser werden, der Puls hatte sich auch wieder etwas beruhigt. Dass ich dann im Finale meinen 4. Sturz in 2 Tagen hatte, war dann doch heftig, alle Chancen aufs Podest oder evtl. den Sieg waren durch einen denkbar kleinen Fehler dahin. Ich konnte es nicht glauben, dass ich schon wieder auf dem Boden saß. Aber auch wenn es mir schwer fiel, tat ich, was man tun sollte, wenn es irgendwie geht: ich stand wieder einmal auf. 
Sonntags haben wir noch die WM angeguckt, und als ich die Bahn sah, fiel ich vom Glauben ab: mein Problemhindernis war um einiges verlängert worden, offensichtlich besser zu fahren.

Danach stand Urlaub in NZ und Australien an, und der tat sowohl dem Körper als auch der Seele gut, wenngleich mich die "Andenken" an die Crashes für den Rest der Saison durchaus spürbar begleiten sollten.

Die 2. Saisonhälfte startete dann in meiner alten Heimat, ich fühlte mich wieder sehr wohl in Bremen und erreichte trotz der langen Pause gute Ergebnisse. Es war schlicht ein Wohlfühlwochenende bei strahlendem Sonnenschein.


Etwas nasser erwartete uns die Piste in Herzogenaurach nach tagelangem Regen. Doch auch hier lief es letzten Endes gut für mich, und obendrein habe ich auch noch ein paar neue (Menschen)erkenntnisse erlangt.

Der Abschluß des BW-Cup war eher Kategorie eklig, was die Witterung betraf, doch freundschaftlich lohnenswert. Und schließlich gab es in Weiterstadt zum wiederholten Male das Night-Race als Saisonabschluß, und das ganze zwar saukalt, aber trockenen Fußes mit maximalem Spaß. Was will man mehr ?! Schade, dass wegen Parallelveranstaltungen so wenig Fahrer da waren, aber wir waren definitiv am richtigen Ort!

Nun geht es wieder an die Grundlagen für die neue Saison, um bestmöglichst auf alles, was da kommen möge, vorbereitet zu sein - und außerdem macht die Bewegung immer viel Spaß.


Pictures:
Worlds - Jerry Landrum www.bmxmania.com
Weiterstadt - BMX-Weiterstadt, Udo Wagner



 
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© Kerstin Meyer (ehem. Fritscher) 2009-2017